Kultivierung

Kulturhinweise für Haworthien und Gasterien

Die Aktivitäten diverser Sammler in Südafrika sind nach wie vor recht groß und einige Gärtnereien haben erkannt, dass die Nachfrage nach Haworthien weiterhin ziemlich stark ist und sie dankbare Objekte für die gärtnerische Kultur sind. Wegen Ihrer Vielgestaltigkeit in der Form, Farbe, Größe und Oberflächenstruktur der Blätter und die Wuchsform der Pflanzen, lassen sich sehr schöne Sammlungen aufbauen.

Ein ganz besonderer Vorteil gegenüber anderen Sukkulenten sind aber ihre bescheidenen Kulturansprüche und ihre Anpassungsfähigkeit an Standorte, die für andere Sukkulenten nicht in Frage kommen. Abgesehen von einem unschattierten Platz hoch oben in der Hänge eines Gewächshauses oder ganzjährig ungeschützt im Freien, ist fast alles möglich. Sie wachsen daher auch sehr gut am Zimmerfenster oder an einem regengeschützten Platz von Mai – Oktober draußen. In punkto Erde sind sie auch bescheiden, die Erde sollte nur locker und durchlässig sein, also keine schwere Lehmerde oder dicke Steine als Substrat. Wer viel Platz hat und gerne schöne Polster sehen möchte, der sollte sie frei auspflanzen oder in große flache Schalen pflanzen. Die meisten von uns Sammlern haben aber nicht viel Platz und daher werden sie wohl besser in Töpfe gepflanzt. Meiner Erfahrung nach sind tiefe Containertöpfe aus schwarzen Plastik am besten geeignet um die fleischigen Wurzeln unterzubringen.

Mit wenigen Ausnahmen kann man sagen, dass sich ihre Wachstumsperiode zwischen April – November befindet, jedoch unterbrochen von einer ca. 6 – 8 wöchigen Sommerpause in der Zeit von Juli – Mitte August. In dieser Zeit, in der es bei uns (in der Regel) recht sonnig und warm ist stellen sie ihr 'oberirdisches' Wachstum ein. Dafür tut sich in der Erde etwas, wie für viele Liliengewächse üblich, und zu denen zählen ja auch die Haworthien, erneuern sie jährlich ihre Wurzeln. Dazu nutzen sie die Substanz der alten Wurzeln (dies trifft vor allem auf die Vertreter der Untergattung Haworthia zu, diese sind, vereinfacht gesagt, die weichblättrigen Arten), was bedeutet, dass in dieser Zeit längere Nässe im Wurzelbereich zu Fäulnis führt. Gelegentliches übersprühen in der Ruhezeit ist okay, vor allem viel frische Luft ist wichtig. Da wir hier in Westeuropa aber leider nie sechs Wochen Sonnenwetter am Stück haben, sollte man mit dem Gießen daher vorsichtig sein. Ansonsten wird normal gegossen und gedüngt wie bei anderen Blattsukkulenten auch. Im Winter wird auch gelegentlich gegossen und gesprüht, was aber vor allem von der überwinterungstemperatur abhängt, welche bei ca. 10°C liegen sollte. Zimmertemperaturen sind aber genauso okay, wie Temperaturen um 5°C.

Von Schädlingen werden die Haworthien in der Regel verschont, gelegentlich treten Wurzel- oder Schmierläuse auf, die mit den üblichen Mitteln bekämpft werden. Sonstige Schädlinge wie z.B. Spinnmilben habe ich an Haworthien noch nicht festgestellt.

Die Vermehrung von Haworthien bereitet keine Probleme, sie lassen sich aus Stecklingen, Samen, Blattstecklingen, Wurzeln (die Arten mit fleischigen Wurzeln) und durch abgeschnittene Blütenstände vermehren (Bei frischen Blütenständen, d.h. wenn erst 1 – 2 Blüten offen sind, bis auf ca. 10 cm abschneiden, dann bildet sich in der Regel aus der obersten Braktee des verbleibenden Stengels eine neue Rosette, die man später abschneidet und wie einen Steckling behandelt). Die Kulturbedingungen für die Vermehrung sind vergleichbar den Bedingungen, die für die anderen Blattsukkulenten üblich sind. Bei der Aussaat, die zu jeder Jahreszeit aber am besten an einem Nord-Fenster stattfindet, sollte lediglich darauf geachtet werden, dass die Aussaattemperatur zwischen 15 - 20°C liegt und diese auch nicht wesentlich überschreitet. Bei überhitzung stoppt nämlich der Keimungsprozess. Erst wenn alles gekeimt ist und die Sämlinge an die frische Luft aklimatisiert sind werden auch kurzzeitig höhere Temperaturen vertragen, vorher nicht. Samen, der älter als ein Jahr ist, keimt in der Regel nicht mehr.

Abweichungen bei den Kakteen und anderen Sukkulenten

Die gegebenen Hinweise lassen sich im allgemeinen auch auf alle anderen Sukkulenten aus Südafrika anwenden und auch für die meisten Kakteen und andere Sukkulenten unseres Angebotes aus Mexico und Südamerika, wobei die Rübenwurzler unter ihnen tiefe Töpfe bevorzugen. Generell verlangen die übrigen Sukkulenten mehr Sonne um ihre Form zu bewahren und speziell die Mexikanischen Kakteenarten können relativ hohe Temperaturen vertragen. Die Temperatur bei der Aussaat von Kakteen sollte ca. 5°C höher liegen (20 – 25°C).